#327 – Im August in Osage County

In den Abgründen der Familienhölle …

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… spielt der gleichermaßen lustige wie grässliche Feel-bad-feel-good-Sneakfilm August: Osage County. In Rubber geht es weniger schrecklich zu, was aber nicht zwangsläufig ein Qualitätsurteil ist. Zusätzlich besprechen wir Der Mann, der niemals lebte, Finchers Girl with the Dragon Tattoo, The Town, Machete, Luhrmans The Great Gatsby und den Sat-1-Film Der Rücktritt. Danach gilt es, die Hörerfragen nach unserer Haltung zu Schnitt bzw. Kameraarbeit und zu unserer Lieblingssüßigkeit zu beantworten – und das dauert mal wieder länger als gedacht.

Im August in Osage County:

  • dt. Kinostart: 6. März 2014
  • Länge: 121 min
  • Genre: lustiges Familienhöllendrama
  • Regie: John Wells
  • Darsteller: Meryl Streep, Julia Roberts, Julianne Nicholson, Juliette Lewis, Chris Cooper, Benedict Cumberbatch, Ewan McGregor
  • Sneak am: 26. Februar 2014

Punkte:
Claudia: 8,5/10
Marc: -/10
Robert: 9/10
Stefan: -/10

In dieser Episode mit:
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avatar Marc
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avatar Stefan Giesbert
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9 Gedanken zu „#327 – Im August in Osage County

  1. Norman

    Kompliment, wieder eine kurzweilige Folge die mir den Dienstag verzückt hat. Ich kann ja nur für mich sprechen aber klar will ich eure ehrliche Meinung und nichts sonst. Auf den Film Im August in Osage County habt ihr bei mir richtig Lust geweckt. Die restlichen Filme sprechen mich spontan nicht so an oder ich habe sie schon gesehen ohne das sie besonders viele Erinnerungen bei mir hinterlassen haben.

    Was die Frage nach Schnitt und Kamera angeht. Der erste Film, bei dem mir die Kameraarbeit so richtig bewusst wurde war wohl Road to perdition. Erst später fand ich heraus welches Genie dort am Werk war. Auch der von mir erst nachfolgend entdeckte American Beauty wurde von Conrad Hall auf so grossartige weise festgehalten.Von Zeit zu Zeit achte ich darauf aber eigentlich fallen mir bei einem Film mehr Charakterzeichnung und Dialoge auf. Ich bin halt einfach der Sprache verfallen.

    Bei Süssigkeiten bin ich der dunklen Schokolade zugetan. Ich bin da sehr klassisch veranlagt und kann mit dem allzu speziellen Zeugs nichts anfangen. Keine Füllung, nichts mit bunten Zeugs und auch Bonbons usw. sind nicht meins. Etwas Spezielles, was ich mir ein zwei mal im Jahr gönne, sind von Schokolade umhüllte Weintrauben. Wohlgemerkt Weintrauben und nicht die geriatrische Rosine.

    Ein Hoch auf euch und Danke für den Podcast.

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    1. dr. claudia

      Vielen Dank für das Lob – und für das umfangreiche, interessante Input in letzter Zeit! Wow, Road to Perdition ist optisch wirklich atemberaubend. Bei der Schlüsselszene im Regen dachte ich, mein Herz bleibt stehen …
      Ich liebe auch Christopher Doyles Arbeit, natürlich vor allem den Look der Filme, die er mit Wong Kar Wai gemacht hat.

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  2. Christopher

    Ich hatte ja ein wenig Angst, als ich sah, dass ihr August: Osage County besprecht, da mir der Film sehr gefallen hat und ich keinen Verriss hören wollte. Zum ersten mal hab ich mir sofort die Punktwertung angesehen.
    Auch ich habe ihn in der Sneak gesehen, welche in Tübingen erst um 23:00 Uhr kommt und dem entsprechend die Horde an angetrunkenen Studenten wenig begeistert war als der Film angekündigt worde.
    Doch er wurde mehr oder wenig gut aufgenommen, besonders die “Eat your fish”-Szene.
    Ich sehe aber die Rolle von Meryl Streep nicht als böse Tyrannin, sondern als eine Frau die einfach Angst hat, da ihre Zukunft ungewiss ist. Ihr Mann ist “weg”, und obwohl ihre Ehe nicht vorbildlich war, so war es doch eine Konstante in ihrem Leben. Da sie diese Angst aber nicht zweigen will, wird sie gemein. Das passiert häufig bei alten Menschen. Ich finde nicht, wie im Cast gesagt wurde, dass es die Familienhölle ist, sondern es kommt sehr nah an die Realität zusammen. Die ganze Gruppe an Menschen dort ist sicherlich dysfunktional, aber sie schaffen es doch sich auf die eine oder andere Weise zusammen zu raufen. So hatte ich das gleiche positive Gefühl wie Claudia nach dem Kino, und ich glaube, dass kommt daher, dass zum Schluss eine gewisse Aufbruchsstimmung herrschte. Jeder hatte sein Problem, dass er vor sich oder vor anderen verheimlicht hatte, doch jetzt angehen wird. Zudem konnten sie sich von der Beziehung zu ihrer Mutter emanzipieren. Allerdings kann man auch nur spekulieren wie es weitergeht.

    Ich hatte auch noch eine Frage für den nächsten Cast:
    Was ist für euch ein Cineast, würdet ihr euch als Cineasten bezeichnet. Reicht es einfach sehr viele Filme zu schauen oder muss man auch einen interlektuellen Anspruch erfülle?

    Liebe Grüße,
    Christopher

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    1. dr. claudia

      Danke für die Frage, Christopher, setze ich natürlich auf die Liste!
      Was Osage County angeht, sind wir uns ja über die Qualität einig, auch wenn Deine Lesart etwas anders als unsere ist. Ich muss sagen, dass ich in dem Film kein wirkliches “Zusammenraffen” vorher disparater Persönlichkeiten erkennen kann, und für mich liegt darin sogar eine der Qualitäten des Films: Es ist doch längst ein filmisches Klischee, verschiedene Charaktere erst auf Konfliktkurz zu schicken, um dann eine Annäherung zu zeigen. Das Besondere an Osage County ist für mich, dass der Film die Konflikte nicht negiert und sie sozusagen “aushält”, ohne sie zu sentimentalisieren, was der Realität auch eher gerecht wird, da über Jahrzehnte entstandene Verletzungen und Enttäuschungen sich nun mal nicht ausräumen lassen, nur weil man mal fünf Minuten zusammen in der Gartenlaube sitzt. Das mit der Aufbruchstimmung würde ich unterschreiben, aber die entsteht für mich nicht aus einem Zusammenraufen, sondern daraus, dass verschiedene Charaktere akzeptieren oder entscheiden, dass ihr emotionales Leben in Zukunft stärker außerhalb dieses Familienkreises stattfinden muss und es sich nicht bis in alle Ewigkeit um die familiären Konflikte und Prägungen drehen kann. In gewisser Weise wird dadurch auch die von Meryl Streep gespielte Mutterfigur “entlastet”, es wird ihr ein Stück weit die Verantwortung für die verkorksten Leben der anderen genommen, auch wenn ihr das in diesem Moment eher als ein Verlassenwerden vorkommen mag.
      Was Meryl Streeps Rolle angeht: Tyrannin ist sicher falsch, da das Macht impliziert und ihre Aggression eher ein Zeichen der Machtlosigkeit ist, aber für mich gibt es in dem Film schon sehr viele Indizien dafür, dass sie nicht erst jetzt eine beschädigte Persönlichkeit ist, die allen anderen das Leben und vor allem ihren Töchtern die Entwicklung zu psychisch gesunden Menschen sehr, sehr schwer macht. Wir sehen sie ja gleich zu Anfang noch mit ihrem Mann – und da bekommen wir schon einen Eindruck von ihrem Charakter, der eigentlich alles vorwegnimmt, was später noch kommt. Und das Verhalten ihrer Töchter zeigt auch deutlich, dass sie nicht erst seit gerade eben “gemein” ist, sondern das das über Jahrzehnte erprobte Verhaltensmuster sind.
      Wie auch immer, ist ja nicht schlimm, das wir da nicht einer Meinung sind. Es ist ja eine der Qualitäten des Filmes, dass man über seine Figuren genauso unterschiedlicher Meinung sein kann wie über Personen im wirklichen Leben – das zeigt die Vielschichtigkeit und Überzeugungskraft der Darstellung.

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      1. Christopher

        Liebe Claudia,
        ich finde es auch nicht schlimm, wenn man nicht einer Meinung ist, im Gegenteil ist doch der Diskurs viel spannender als die Einigkeit.
        Ich meinte mit dem Zusammenraffen nicht das von dir angesprochenen Klischee, wenn ich es denn richtig Verstanden habe. Die RomCom-Situtation wäre ja, dass sie sich erst alle nicht mögen aber jetzt halt in einer Situation sind, in welcher sie zusammenarbeiten müssen und am Schluss mögen sie sich doch irgendwie.
        Das ist ja bei Augsut Osage County nicht so. Ich wollte sagen, dass die Figuren jetzt miteinander auskommen müssen, weil sie alle sie jetzt in dem Haus sein müssen. Und aus dieser Situation heraus zeigt der ein oder andere seinen guten Willen um die Situation zu entschärfen. Zum Beispiel Charlie, der Little Charles beruhigt und ihn auch vor der Familie verteidigt. Oder dass Barbara und Bill eine heile Ehe vorspielen. Dass das alles im Endeffekt nicht funktioniert, ist klar. Doch es trifft eine Familiendynamik sehr exakt auf den Punkt. Generell erkannte ich vieles aus meiner eigenen mehr oder wenig großen Familie wieder, wenn es auch bei weitem nicht so schlimm ist. Deswegen bin ich auch so begeistert von diesem Film , weil er (bzw. Tracy Letts) die Dynamik einer Familie sehr gut einfängt
        Im Grunde wollte ich dass was du über die Zukunft außerhalb des Familienkreises geschrieben hast auch sagen, aber mir fehlt da doch die Expertise eines Literaturwissenschaftlers.

        Zum Schluss noch was völlig anderes: Ich wollte das euch schon länger einmal empfehlen: http://film-grab.com/ Das ist eine Seite bei der man gut aufgelöste Filmgrabs finden kann. Ich finde die Seite super, gerade wenn man sich ein wenig für Cinematographie interessiert. Mittlerweil gibt es auch schon einige Wong Kar Wei Filme, was die Sache für euch bestimmt interessant macht.
        Liebe Grüße,
        Christopher

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        1. dr. claudia

          Hehe, bist du sicher, dass sich da nicht doch literaturwissenschaftliche bzw. zumindest kommunikationstheoretische Expertise eingeschlichen hat? Oder hat “der Diskurs” sich nur in deinen Kommentar verirrt … 😉 Bin aber natürlich da ganz deiner Meinung.

          Merci für den film-grab-Tipp. Gefällt mir sehr!

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          1. Christopher

            😀
            Ich habe nicht gesagt, dass ich kein Geisteswissenschaftler bin.
            Außerdem kann man extrem klug wirken, wenn man einfach mal Diskurs verwendet

  3. Dirk

    Ich habe gelegentlich gehört, dass Meryl Streep overacten würde? Wie seht ihr das? Kann man das so sehen oder ist das einfach ihre Rolle oder ist das gutes Schauspiel oder …?

    Eine Lieblingssüßigkeit habe ich nicht, könnte zumindest keine benennen. Außerdem: Ich weiß nicht warum, aber in den letzten Jahren bin ich nicht mehr so scharf auf süßes, Schokolade kann schon mal eine ganze Weile herumliegen bis sie aufgebraucht ist – früher war das anders.

    In Bezug auf Süßes fallen mir aber noch zwei Dinge ein: 1) Als Ex-Ostdeutscher, mag ich “Knusperflocken” und zwar diese mit der Milchschokolade, wie beim Original! Ich mag das obwohl es eher zweifelhaften Geschmack hat – was schon unser familieninterne Name andeutet: “Straßendreck”.
    2) Als ich Ende der 90er einmal ein Jahr in England studierte, habe ich erst einmal gemerkt, welche tollen Süßigkeiten es in Deutschland gibt, vor allem was Schokolade anbetrifft. Ich für meinen Geschmack fand da nie so den richtigen Ersatz in England.

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    1. dr. claudia

      Ich persönlich halte es für ein Missverständnis, bei Meryl Streep hier Overacting festzustellen. Für mich gehört gerade das Überzogene und manchmal Künstliche und Übertriebene zur Figur, die ja auch für ein Publikum agiert, um bestimmte Reaktionen zu erzeugen, – nämlich für ihre Familie, vor allem aber ihre Töchter. Und da ist es wie bei vielen aufgesetzten und zum Teil auch strategisch eingesetzten Verhaltensmustern, die einem in Fleisch und Blut übergehen: Irgendwann ist selbst ihr nicht mehr immer klar, was Theater ist und was auf echter Emotion basiert. Ich persönlich finde das sehr, sehr gut beobachtet, und ich mag an dem Film, dass er mir als Zuschauer abverlangt, auch mit Szenen umzugehen, in denen die Figuren lächerlich wirken und es von allem etwas zu viel zu sein scheint, sodass man sich als Zuschauer fast peinlich berührt fühlt. Eben wie man sich fühlt, wenn jemand sich unpassend und peinlich benimmt und man das Gefühl hat, im Kern dieses Verhaltens eine gewisse theaterartige Unehrlichkeit zu entdecken.

      Zu 2): Das kann ich grundstätzlich unterschreiben – ich fand das in Schottland auch immer ein bisschen schwierig, vergleichbar befriedigende Süßigkeiten zu finden. Sogar die englischen Weingummis schmecken mir in Deutschland besser 😉 Eine britische Lieblingssüßigkeit habe ich aber trotzdem: Bourbon Creams – hm, herrlich! In Norwegen fand ich es übrigens seinerzeit noch viel schwieriger, Süßigkeiten zu finden, die meinem deutschen Geschmack entsprachen (mal vom Lakritz abgesehen, bei dem Norwegen eine reichen Tradition hat).

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