#349 – Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück/Lucy

So viel Liebreiz!

Hector

Der Sneakpod war nie bezaubernder. Oder liegt es nur am Sneakfilm Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück, dass wir auf einmal so glücklich sind? Luc Bessons Lucy jedenfalls wird nicht unterstellt, für plötzliche Glücksgefühle verantwortlich zu sein. Weiterhin widmen wir uns mit Pumping Iron einer Dokumentation über Arnold Schwarzeneggers Frühwerk (als Bodybuilder) und Stefan berichtet kurz über sein Wiedersehen mit Projekt Peacemaker. In den Hörerfragen geht es um unsere persönlichen Lieblingswörter und um Anime, wobei Claudia vom Ghibli-Klassiker Mein Nachbar Totoro schwärmt und Peter Careys Wrong About Japan empfiehlt.

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück:

  • dt. Kinostart: 14. August 2014
  • Länge: 120 min
  • Genre: Psychiater-Glückfindungs-Abenteuer
  • Regie: Peter Chelsom
  • Romanvorlage: François Lelord
  • Darsteller: Simon Pegg, Rosamund Pike, Stellan Skarsgård, Jean Reno, Christopher Plummer
  • Sneak am: 30. Juli 2014

Punkte:
Claudia: -/10
Robert: 8,5/10
Stefan: 9/10

Lucy:

  • dt. Kinostart: 14. August 2014
  • Länge: 90 min
  • Genre: Science-Fiction-Action-Quatsch
  • Regie: Luc Besson
  • Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik
  • OV-Sneak am: 28. Juli 2014

Punkte:
Claudia: 4/10
Robert: -/10
Stefan: -/10

In dieser Episode mit:
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avatar Stefan Giesbert
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34 Gedanken zu „#349 – Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück/Lucy

  1. Kuh

    Also in Under the Skin spielt Frau Johansson ein Alien ohne Gefühle – und damit hättet ihr 3! 😉

    Wie war bei Hector denn die Synchro? Simon Pegg war auf Promotour letzte Woche bei Craig Ferguson und da wurde ein Clip gezeigt, den ich doch sehr amüsant fand. In dem Clip war Simon Pegg auf einer gehobenen (?) Veranstaltung und wurde dort von einer Frau aus Frankreich angesprochen, die meinte, dass sie “a penis” möchte. Happiness. Frankreich. Stummes H durch Akzent. Happiness -> A Penis. Lässt sich ja nun wirklich nicht einfach übertragen.

    Und die Animediskussion hab ich wirklich noch nie verstanden. Ich mag Geschichten mit interessanten Figuren, Spannung, Humor und dem ganzen Kram. Anime ist dabei doch kein Genre, sondern einfach nur eine Form der Darstellung/Umsetzung – genau wie Realfilm, CGI, Stop Motion und was es nicht alles gibt. Wenn ich Pixarfilme mag, bin ich auch nicht gleich ein Fan von allen anderen CGI-Filmen wie Ice Age und co. aus anderen Studios. Ich mag auch diverse Zeichentrickfilme, aber das sind nicht alles gleich Märchen aus dem Hause Disney.

    “Die letzten Glühwürmchen” ist der vielleicht beste (Anti)Kriegsfilm überhaupt und der verliert doch nichts, nur weil die Figuren gezeichnet sind. Ich wette, dass der auch bei den Jungs gut ankäme, wenn er eine Chance bekäme. Von dem gibts auch eine Realverfilmung, die nicht einmal annähernd so gut ist. Ich kann da problemlos mitfiebern – genau wie bei Wall*E, der ja noch nicht einmal menschlich ist. Oder bei den Simpsons, die nun auch nicht sehr realitätsnah sind. Oder South Park. Biene Maja und Heidi waren auch Animeserien. Gibt halt überall ne Menge Kacke, aber nur weil “Komödien” mit Adam Sandler Hirnschäden verursachen, sind deswegen nicht gleich alle anderen Realfilme doof. Man kann es einfach nicht generalisieren – egal, um was es geht. Und darum find ich schon allein die Frage nicht sonderlich kluk 😐

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    1. Robert

      Das wurde ganz einfach -und sehr gut- gelöst. Man hat es einfach nicht übersetzt. Sie wollte auch in der deutschen Fassung – (h)a-penis. Wurde im Kino verstanden und wir haben alle sehr lachen müssen.

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    2. dr. claudia

      Juhu, Kuh ist wieder da! Ich freu mich 😀
      Under the skin: Stimmt, das scheint System zu haben 🙂
      Anime: Ich finde die Frage nicht dumm. Für Dich macht es anscheinend keinen Unterschied, aber das heißt ja nicht, dass es für andere auch so ist. Ich muss mich eindeutig mehr anstrengen, um in einen Animefilm reinzukommen. Das ist bei mir einfach so, Punkt. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere Animationsfilme – die sehr guten holen mich auch ab, aber Animationsfilm insgesamt hat es etwas schwerer, mich emotional zu erreichen. Ist vermutlich individuell unterschiedlich, ob man die Abstraktion, die durch die Animation im Vergleich zu einem Realfilm entsteht, als distanzierendes Element empfindet oder nicht.

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      1. Kuh

        Ich hab nicht gesagt, dass die Frage dumm ist 😛

        Ich finde nur die Beschränkung auf Anime von vielen Leuten merkwürdig. Was definiert denn Anime so, dass man sich deswegen als Fan davon bezeichnen kann? Warum schauen Animefans bevorzugt Anime und keine Realfilme? Genau das leuchtet mir einfach nicht ein. Ich mag ja auch toll inszenierte Action, aber deswegen schau ich nicht nur Action und mag deswegen nicht gleich jeden Actionfilm. Und ich hab mit gewissen Animes auch so meine Probleme. Wenns schon um Ghibli geht – Chihiros Reise ins Zauberland hat mich auch nicht wirklich gepackt. Totoro wirkte auf mich komplett anders.

        Aber das kann ich quasi überall anwenden. Es gibt so tolle Filme aus Asien, aber ich komme mit denen auch öfters nicht so wirklich klar. Robert hatte letztens The Good, The Bad & The Weird besprochen und bei dem ging es mir fast genau wie Robert. Letztendlich ändert das aber nichts daran, dass ich versuche, auch weiterhin Filme aus aller Welt zu schauen. Es fällt mir da wirklich schwer, mich wirklich als Fan von irgendwas spezifischem zu sehen. Setzt man sich damit nicht selbst irgendwelche Grenzen?

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        1. dr. claudia

          Man muss sich immer Grenzen setzen, alleine schon, weil es zu viele Filme gibt, als dass man einfach alles sichten und dann entscheiden könnte, wie man es findet. Deshalb setzt jeder seine eigenen Prioritäten und manche sagen halt: Anime interessiert mich nicht so bzw. mag ich nicht. Trifft auf mich nicht zu, aber kann ich nachvollziehen. Ich dagegen würde z. B. im Normalfall sagen: Adam-Sandler-Komödien spare ich mir – auch wenn natürlich die Möglichkeit besteht, dass gerade die nächste zufällig der beste Film aller Zeiten sein könnte. Theoretisch zumindest.

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          1. Kuh

            Hmm. Ich glaub, ich werd das niemals nie nachvollziehen können. Vielleicht ist meine Hirnverkabelung damit einfach nicht kompatibel :>

  2. Kuh

    Wie wär es übrigens mit “Pro Kastration statt Prokrastination – damit sich diese Schlaumeier nicht verbreiten!”?

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  3. McDarko

    Habe heute im Zug auf der Heimfahrt genüsslich euren Podcast gehört und mich gleich dazu entschlossen meinen ersten Kommentar hier auf der Seite zu verfassen nachdem ich gehört habe das Claudia wünscht Animes empfohlen zu bekommen.
    Ich persönlich habe als ich noch im Teenager Alter war deutlich mehr Animes gesehen und auch oft vorher/nachher den zugehörigen Manga gelesen. Heute ist Anime für mich eher eine spezielle Nische zu der ich mich ab und zu bewusst entscheide. Was die Qualität und die Zugänglichkeit angeht stehen aber Realfilme auf einer Ebene wie Animes, kommt halt einfach auf meine Stimmung und das Thema an.

    Nun zu meinen Vorschlägen, ich erlaube mir einfach mal einige etwas speziellere Animeserien und Filme zu empfehlen und dir nicht “nur” die aktuell hochgelobten Genrestandards (Elfenlied, SNK, Naruto) zu empfehlen (wobei die genannten natürlich auch sehr anschauenswert sind). Das wird also eine eher subjektive Empfehlung.
    Animeserien:
    – Planetes: Eine futuristische Weltraumserie mit einfacher aber doch wirkungsvoller Geschichte um eine kleine Gruppe von Abfallentsorgern, die den über die Jahrhunderte angesammelten Weltraumschrott in der Erdatmosphäre säubern um den (im Jahr 2075 enorm wichtigen) Weltraumverkehr aufrecht zu erhalten. Unter dem Deckmantel einer “fish out of water character” Geschichte werden hier genial aber manchmal etwas moralschwanger Problemthemen unserer postmodernen Gesellschaft aufgearbeitet (Umweltverschmutzung, Vereinsamung, Umgang mit älteren Menschen etc.). Ebenso erwähnenswert ist der Detailgrad der Erzählung, für die Konzeption der Serie (Raumschiffe, Handwerken im luftleeren Raum etc.) wurde mit ehemaligen Kosmonauten zusammengearbeitet. Klasse Serie, sehr zu empfehlen und bei Amazon preisgünstig (zumindest im Kontext “Anime”) in einer Komplettbox zu erwerben.
    – Tokyo Magnitude 8.0: Quasi ein als Animeserie getarntes Trainingsvideo für das Verhalten nach Naturkatastrophen (Erdbeben). Es wird die Geschichte eines pubertierenden Mädchens erzählt das ihren kleinen Bruder widerwillig zu einem Museumsbesuch auf einer Insel vor Tokio begleiten soll, der Ausflug endet jedoch nach einem Erdbeben im Chaos und die weitere Erzählung zeigt mit erschreckend realer Darstellung die folgen der Katastrophe (Krankheit, menschliches Verhalten in Krisensituationen) während man den beiden Protagonisten auf ihrem beschwerlichen Weg zurück zu ihren Eltern folgt.
    – Now and Then, Here and There: Emotional zermürbender Anime der die Geschichte von Shû, einem jungen Rebell der nichts mit seinem Leben anzufangen weiß und per Zufall in eine parallelwelt gezogen wird erzählt. In dieser unbekannten Welt wird er mit den Auswirkungen einer faschistoiden Weltordnung konfrontiert und erlebt am eigenen Leib die Ausbeutung von Kindersoldaten, und den Kampf um die noch verbleibenden knappen Ressourcen. Eindrucksvolle Serie die trotz ihres (dem geringen Budget geschuldeten) minimalistischen Animationsstiles nach dem ansehen noch lange nachwirkt. (Im Zusammenhang mit “Die letzten Glühwürmchen” sehr zu empfehlen.)

    Filme:
    So ziemlich alles von Makoto Shinkai, beispielhaft aber einfach mal “5 Centimeters Per Second”:
    Besonders an diesem Regisseur ist die schiere Bildgewalt seiner Werke, es stimmt einfach sprachlos wenn man einen seiner Filme sieht und einfach an jeder beliebigen Stelle auf Pause drücken und den Bildausschnitt als Poster an die Wand hängen möchte. Besonders die Detailverliebtheit und die Licht und Frab-Stimmungen sind atemberaubend (einfach mal unter dem Namen des Regisseurs die Google-Bildersuche bemühen). Im genannten Film geht es um das leben und die Verbundenheit von Takaki und Akari die sich in der Schule kennenlernen, ineinander verlieben, dann jedoch voneinander getrennt werden. Der Film zeigt drei Lebensabschnitte der beiden und spielt gekonnt mit dem Element der Geschwindigkeit (Bewegung zueinander) und Entfernung der beiden im absoluten wie auch emotionalen Sinn.

    So das waren jetzt meine Empfehlungen, hoffe ich habe euren Kommentarbereich nicht gesprengt. Und um noch mit etwas leichtem den Abschluss zu finden möchte ich im Nach klapp zu „Pumping Irion“ noch folgendes Historisches Filmdokument auf Youtube empfehlen, es handelt sich um einen Ausschnitt mit Arnie der für eine Reisesendung nach Rio zum Karneval eingeladen wurde und dort die Vorzüge des Landes kennenlernt und kommentiert. Das Video zeigt nicht nur den viel gerühmten Charm des Gouvernators zu seiner besten zeit, nein es hat mir auch jeglichen Appetit auf Gemüse verdorben und klärt noch die ewige Frage was Arnold mit den brasilianischen Männern gemeinsam hat:

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    1. dr. claudia

      Merci, McDarko! Planetes klingt super und “5 centimeters per second” als Einstiegs-Shinkai ist direkt auf meinen Weihnachtswunschzettel gewandert. Bin sehr gespannt und werde bei Gelegenheit berichten 🙂

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  4. VanillaChief

    Die Filme, die Claudia als ihre Lieblingsanimes nennt, Totoro und Glühwürmchen, sind ja beides Studio Ghibli-Produktionen, und das ist auch meine Empfehlung. Alles was Studio Ghibli hervorgebracht hat kann man blind empfehlen. Zum Beispiel “Spirited Away”, “Howl’s Walking Caslte” und am neusten “The Wind Rises”. Tolle Geschichten, herzige Charaktere und viel handgezeichnet macht den Charme dieser Filme aus.
    Einen Anime, denn ich auch gut fande, aber der etwas spezieller ist, ist “The Sky Crawlers”. Wer das Spiel “Luftrausers” kennt, kann sich das als die Verfilmung davon vorstellen. Es geht um ewig junge Jugendliche, die in einem ewigen Luftkrieg gegeneinander Kämpfen. Den Film würde ich gerne von der Spezialexpertin Dr. Claudia besprochen haben.
    Liebe Grüße,
    Christopher

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    1. dr. claudia

      Hallo Christopher, “The Sky Crawlers” ist notiert. Der klingt so, als könnte ich ihn sogar Marc verkaufen 🙂

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  5. stanleyhitchcock

    Hey liebes Sneakpod Team,

    zunächst danke für die tollen Podcasts, die ihr uns so häufig liefert. Ich bin seit 2 Monaten dabei und höre noch viele der älteren Podcasts nach.

    Eure Anekdoten über bestimmte Floskeln und Worte war sehr amüsant. Ich sehe das übrigens auch gerne mit dem Genitiv. 😉

    Ich empfehle Dir, Claudia, den Anime “Paprika” (Imdb Link: http://www.imdb.com/title/tt0851578/?ref_=nv_sr_1 ). Dieser Film war für mich die Einführung in die Animewelt und ist meiner Lieblingsfilme im kompletten Animationsbereich. Mich würde interessieren, wie Du ihn wahrgenommen hast. Den Film gibt es gerade auch bie Watchever und bitte keine Trailer/ Teaser anschauen, der Film überrascht so häufig, dass Spoiler durch Trailerszenen echt schade im Seherlebnis wären.

    Worum geht es in dem Film (ohne zu viel zu verraten)
    In dem Film geht es darum, dass gewisse Menschen in Träume eintauchen können und diese beeinflussen können. Ein Patient der weiblichen (und sehr sympathischen Filmcharakter) Therapeutin Paprika spürt das am eigenen Leibe und gerät in die Bredouille, dass er Träume und Wahrheit nicht mehr unterscheiden kann.

    Der Film ist 4 Jahre vor “Inception” erschienen und löst das ein, was ich mir von “Inception” mehr gewünscht hätte: Die Auseinandersetzung der Bedeutung von Träumen und der Irreführung des Zuschauers, wo er sich gerade befindet. “Paprika” macht das ganz konsequent und das mag ich sehr am Film.

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    1. dr. claudia

      Vielen Dank für die Empfehlung! Klingt gut und habe ich mir notiert. Dank leichter Zugänglichkeit über Watchever werde ich den sicher bald mal anschauen – dann mehr im Podcast! 🙂

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      1. Kuh

        Vom selben (leider bereits verstorbenen 🙁 ) Regisseur würd ich noch Tokyo Godfathers empfehlen. Geht um 3 obdachlose Menschen, die zu Weihnachten ein Baby im Müll finden und daraufhin die Eltern suchen. Gibts ebenfalls bei Watchever 😉

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  6. Jonas

    Hallo liebe Sneakpodler! Vielen Dank für euren Podcast, vorallem für eure Besprechungen von gerade angelaufenen Filmen. Und ja, ihr habt zumindest einen 15-jährigen Hörer ;D
    Grüße, Jonas

    PS: Eine Hörerfrage hätte ich noch: Habt ihr einen bestimmten Lieblingsfilm? Und wenn ja, welchen?

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    1. dr. claudia

      Hallo Jonas, vielen Dank für die Rückmeldung und die Frage (wird sofort auf die Liste gesetzt). Wir sind froh zu hören, dass wir noch nicht bei allen tatsächlich jungen Leuten vollkommen überflüssig geworden sind. Aber Dir ist schon klar, dass Du Dir einen Podcast von Leuten im Alter Deiner Lehrer anhörst, oder? Ist das nach modernen Coolnessmassstäben überhaupt vertretbar? 😉 Jedenfalls nochmals merci!

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  7. dr. claudia

    Ein demokratischer Ansatz sieht Partizipationsrechte vor, die in der absoluten Sneakpoddiktatur vielleicht so nicht gegeben wären.

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  8. Felix

    Eine kurze Anmerkung zum Thema Prokrastination: Im Gegensatz zu “ich hab nur meine Zeit verschwendet” o.ä. kann Prokrastination auch bedeuten, dass ich etwas Sinnvolles getan habe. Nur eben nicht im Bezug auf meine Doktorarbeit usw.. Bei mir kommt es beim Schreiben von Hausarbeiten z.B. häufig vor, dass plötzlich meine Wohnung geputzt ist, die Wäsche gemacht ist oder ich Zeit habe etwas besonders Aufwendiges zu kochen. Ich tue also Dinge, die also durchaus sinnvoll sind, aber eben nicht das, was gerade die höchste Priorität hat/haben sollte. Die englische Wikipedia formuliert das so:
    the practice of carrying out less urgent tasks in preference to more urgent ones
    Für mich handelt es sich also durchaus um ein nützliches Wort. Zumindest wenn die Alternative “ich bin nur ziellos im Internet gesurft” ist.

    Antworten
    1. dr. claudia

      In einer Welt, in der nicht viele Leute das Wort wirlich erst auf Wikipedia nachschlagen müssen, um überhaupt zu verstehen, was das sein soll, würde ich dieses Argument gelten lassen. In der Wirklichkeit hat das Wort für den Gegenüber oft 0 % Informationsgehalt (da nicht verstanden). Die Sphäre der Promovierenden ist allerdings (ich sage: leider) eine Welt, in der das Wort vermutlich so verbreitet ist, dass jeder es versteht – insofern ist der Gebrauch dort sicher vertretbar, ändert aber nichts an meinen sprachästhetischen Einwänden (was natürlich Geschmackssache ist) und an meiner Überzeugung, dass es sich letztendlich um einen abgrenzenden Jargon handelt (der u. a. gegenüber Nichtverstehern besonders schlau wirken soll). Und mehr gesagt wäre, wenn man gleich sagt, dass man sich vor der Arbeit gedrückt und stattdessen die Kücheschränke geputzt hat (da Prokastination das zwar bedeuten -kann-, es aber natürlich keinesfalls immer bedeutet). Warum ein hässliches abstraktes Wort verwenden, das einen Teil der Zuhörerschaft ausschließt, anstatt gleich einfach zu sagen, was man gemacht hat?

      Antworten
  9. Felix

    Grundsätzlich handelt es sich eben um ein Wort der Fachsprache. Es transportiert daher (im richtigen Kontext) deutlich mehr Informationen als die Umschreibung “ich hab mich vor Arbeit gedrückt”. Genauso wie paranoide Schizophrenie mehr Informationen transportiert als “verrückt”, obwohl auch das eine passende Beschreibung für diesen Zustand sein kann. Beispielsweise könnte man daran denken, dass es sich bei Prokrastination um eine Form der Angstbewältigung handeln könnte, oder vermutet wird, dass es eine unbewusste Strategie zur Steigerung der eigenen Effizienz sein könnte. Diese Funktion der Fachsprache – präzise ein bestimmtes Feld an Wissen beim Gegenüber zu aktivieren – kann sie natürlich nur erfüllen, wenn sie in einem Kontext verwendet wird, in dem sie auch verstanden wird.
    Insofern würde ich dir Recht geben, dass der Gebrauch des Wortes (und Fachsprache überhaupt) in den von dir beschriebenen Situationen unangebracht ist. Er dient wahrscheinlich tatsächlich dazu sich abzugrenzen bzw. gegebenenfalls den Gesprächspartner abzuwerten. Allerdings würde ich die Aussage darauf einschränken, dass nicht das Wort selbst (dessen Verwendung im richtigen Kontext durchaus Sinn machen kann) zu kritisieren ist, sondern dessen Verwendung außerhalb einer passenden Situation.

    Die Frage ist dann natürlich, wie weit das Wissen der Promovierenden, mit denen du zu tun hast, reicht. In meinem Soziotop wird Prokrastination sehr wohl verstanden und trägt dann auch dazu bei, dass wir uns gezielter über die jeweilige Situation austauschen können, ohne dass man vorher alle Assoziationen, die der Begriff hervorruft, umständlich umschreiben muss. Obwohl Psychologie/Medizinstudierende wahrscheinlich in diesem Fall nicht die beste Referenzgruppe sind 🙂

    Was die ästhetischen Einwände betrifft … 🙂 Ich finde es ist tatsächlich kein Grund wegen des eigenen Geschmacks anderen die Verwendung eines Wortes übel zu nehmen 😛 (vorausgesetzt derjenige tut es nicht um mich zu ärgern)

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    1. dr. claudia

      Ja, der richtige Kontext ist der springende Punkt, darauf können wir uns sicher einigen. Die Verwendung von Fachsprache im Fachkontext sei jedem ungenommen (und auch die Sprachästhetik dürfte hier in der Regel aus gutem Grund eine sehr untergeordnete Rolle spielen). Wobei das nur in seltensten Fällen auf eine banale Eigendiagnose à la “Ich habe prokrastiniert” hinauslaufen dürfte – bei dieser geht es doch in der Regel nicht um eine präzisere diagnostische Einordnung, sondern (meiner Meinung nach) meistens eher um Wichtigtuerei. Ohnehin finde ich die Verwendung von “Prokastination” bei Medizin- und Psychologiepromovierenden z. B. in Facebookpostings (wo mir das Wort besonders häufig vorzukommen schien) aus den genannten Gründen genauso albern wie bei jedem anderen Promovierenden. Also, nein, keine pauschalen Extrapunkte für den Soziotop, zumindest nicht von mir 😉

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      1. Felix

        Naja gut Facebook-Postings … 😀
        Die sollte man ja eh nicht ernst nehmen. Ich glaube wir haben sehr verschiedene Vorstellungen/Erfahrungen, was die Situationen in denen das Wort gebraucht wird. So wie du das schilderst ist das natürlich unangebracht. Genauso wie jeder andere Gebrauch von komplizierten Fachwörtern bei der Beschreibung des gestrigen Tagesablaufs. Da bin ich voll bei dir 😉

        Toll, dass man sich hier über so ‘nen Quatsch diskutieren kann und dann auch noch prompt ausführliche Antworten erhält. Da hab ich doch glatt Lust öfter mal einen Kommentar da zulassen 😉

        Da fällt mir gerade noch zum Thema Ghibli ein: Es würde mich freuen zu hören, was ihr vom neusten (und angebliche letzten) Miyazaki-Film, The Wind Rises, haltet. Vielleicht könnt ihr den ja auch mal irgendwo notieren und bei Gelegenheit besprechen 🙂

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  10. dr. claudia

    Lieber Felix, wie schön, dass wir uns einig geworden sind 🙂 Über die pure Freude an der wiedergewonnenen Harmonie hinaus, fühle ich mich durch diese Einigung intellektuell aufgewertet, da Mediziner bekanntlich klüger sind als andere Menschen (ich muss das ja wissen, da meine beiden Eltern Ärzte sind). Mein leider recht ausgeprägter Rechthaberimpuls sorgt dafür, dass von meiner Meinung abweichende Kommentare schnellstens beantwortet werden müssen 😉 Davon abgesehen finden wir es immer schön, dass sich überhaupt jemand die Arbeit macht, auf das zu antworten, was wir mal so blind in den Kanal geschickt haben … 😀

    The Wind Rises will ich unbedingt sehen – habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der in meinem kleinen Kino um die Ecke noch mal im Sonntagskinderprogramm kommt und ich ihn so im entsprechenden Rahmen anschauen kann. Werde ihn natürlich besprechen, sobald ich ihn gesehen habe.

    Antworten
    1. Felix

      In diesem Fall freue ich mich schon auf die nächste Gelegenheit diesen Impuls herauszufordern 😀 Ebenso auf die Besprechung des Films.

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